Archiv 2014

Freitag 14. November 2014

 

Kareyce Fotso (CMR)

«Ich bin kein Star, ich bin Musikerin» sagt die zierliche Kareyce Fotso. Sie meint das weder ironisch, noch arrogant. Die Kamerunerin hat einfach keine Zeit, Star zu sein: «Die Musik, die Kreation, ist mein Handwerk – und dazu brauche ich all meine mir zur Verfügung stehende Zeit.»

 

In den Bands der Superstars ihrer Heimat, Erik Aliana und Sally Nyolo, holte sich Kareyce Handwerks-, Bühnen- und Tour-Erfahrung, bevor sie 2009 ihr erstes Soloalbum veröffentlichte. Nach dem zweiten Album legte sie eine Zwischenphase ein und tourte mit Dobet Gnahoré, Manu Gallo und Aly Keita und dem Projekt «Acoustic Afrikca – Women’s Voices» rund um den Globus.

 

Ihr grosses Thema auch auf dem aktuellen Album «Mokte»: das Dazwischen. Alles spielt sich «zwischen» den Dingen ab, zwischen Mann und Frau, zwischen Leben und Tod, zwischen Kulturen und Sprachen, zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Tradition und Moderne. Sie erzählt mit einer verzaubernden und sehr geschmeidigen Stimme Alltagsgeschichten, in denen sich die ganze Freude aber auch Tragik der menschlichen Existenz spiegelt. Dazu begleitet sie sich mit Gitarre und Perkussion.

 

Kareyce Fotso hat eine starke, intensiv-ruhige Bühnenpräsenz. Radio France Internationale RFI bezeichnet sie denn auch treffend als «La force tranquille». Sie braucht weder Schalldruck noch Show – dazu sind auch ihre Lieder zu ruhig – sondern fesselt ihr Publikum mit Charme, Charisma, Herzlichkeit und Melodien. Früher war sie solo unterwegs, heute wird sie vom Gitarristen Zou Diarra begleitet.

  

Web: http://kareycefotso.org/

 

CéU (BRA)

Céu gilt als eine Künstlerin, welche eine neue musikalische Brücke von Südamerika in den Norden und nach Europa gebaut hat. Gerade weil niemand wirklich beschreiben kann, warum diese so unaufdringliche aber sehr sinnliche Stimme in dem abenteuerlichen Stil-Mischmasch und Soundgewusel so anziehend wirkt, sind sich alle einig (zumindest auf dieser Seite des Atlantiks) : so klingt Brasilien jenseits von Samba, Fussball und Exotik-Kitsch.

 

«Welche Art von Musik ich denn mache, werde ich oft gefragt. Schwer zu sagen: Eigentlich «Musica Popular Brasileira», aber diese Schublade hat ein etwas seltsames «Geschmäcklein». Ich mache keinen Jazz, und auch keinen Rock. Vielleicht klinge ich wie ein Echo der Tropicalismo -Bewegung», sagte Céu einst in einem Interview. Vier Grammy-Nominationen in drei verschiedenen Kategorien sind ebenfalls ein Beleg für die stilübergreifende Musik der Sängerin und Songschreiberin aus São Paulo.

 

São Paulo ist wichtig: die Geburts-, Wohn- und Arbeitswelt von Céu gilt als der momentan heisseste Ort Brasiliens für musikalische Experimente. Die Sängerin lebt hier mitten in einem musikalischen Biotop von Künstlern und Produzenten wie Curumin, Lucas Santtana oder Beto Villares. Man hilft sich bei den Produktionen und schreibt sich gegenseitig Songs ins Repertoire. So tönt denn das letzte Studioalbum von Céu wie ein Roadtrip durch den Norden Brasiliens mit einem Hauch von Wild West. Es klingt nach Cumbia oder Brega, nach Rhythmen vom Land, doch ohne Kitsch oder falsche Romantik. Vielleicht ist dies eines der Kompositions- und Erfolgsgeheimnisse von Céu: «Wenn ich einen Song schreibe höre ich auch sofort, welcher Musiker welchen Part im Studio einspielen sollte.»

 

Web: http://www.ceumusic.com/

 

 

Samstag 15. November

 

 

Oum (MAR)

«Marokko liegt auf der Nahtstelle von Schwarzafrika, der arabischen Welt, der Berber und Andalusier. Diese Mischung hört man sofort in unserer vielschichtigen Musik», sagt OUM. Mit vollem Namen heisst sie Oum El Gaith Benessahraoui. Und in ihrem Fall müsste man hinzufügen, dass auf ihrer persönlichen und globalisierten Nahtstelle noch Jazz, Hip-Hop, und Soul hinzugekommen ist.

 

Die Sängerin, aufgewachsen in Casablanca und Marrakesch, bewegt sich ganz bewusst zwischen sämtlichen Stilen. So verschieden die musikalischen Ingredienzen sind, so klar hat sie sich am Anfang für die maghrebinische Umgangssprache Darija als Sing-Sprache entschieden. Sie wollte von ihrer Generation verstanden werden, wenn sie von Selbständigkeit und Selbstbestimmung sang.

 

Gleich mit der ersten Single «Hamdulillah» traf sie 2005 den Hörnerv ihrer Landsleute. Die CD «Lik’Oum» festigte ihren Ruf als eine der neuen Stimmen Marokkos. Dann versuchte sie mit dem mehrheitlich in Englisch eingesungenen Album «Sweerty» in Amerika Fuss zu fassen, was nicht ganz gelang – zu stark die Anlehnung an Erykah Badu oder Lauryn Hill. Blieb das Naheliegende: Europa, und hier vor allem Frankreich. Für den Sprung über’s Mittelmeer spielte OUM die meisten Titel von «Lik’Oum» neu ein: Akustischer Bass und analoge Perkussion statt Computer und Elektronik. Geblieben sind weiche Sax- und Oboen-Töne, ein paar englische Textzeilen und die treibende Kraft der Handtrommel Darbuka. – Europa hat sie mit offenen Ohren und Armen empfangen.

 

OUM weiss was sie will und geht es zielstrebig an. Sie hat gemerkt, dass ihr Kapital in ihren persönlichen Wurzeln, ihrer Heimatwelt und der musikalischen Vielschichtigkeit Marokkos liegt.

 

Web: http://www.oum.ma/

 

 

Yasmine Hamdan (LIB/FRA)

«Ich schreibe Lieder, die mit mir als freie, emanzipierte Frau zu tun haben. Meiner Meinung nach ist das die Aufgabe aller arabischen Künstlerinnen», sagt Yasmine Hamdan. In Beirut in einen Bürgerkrieg hineingeboren, verbrachte sie ihre ersten Lebensjahre zwischen Kuwit und Griechenland. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Beirut zurück.

 

«Ich verstand damals überhaupt nicht was los war. Überall Verwüstung und Korruption, aber auch viel Charme und Schönheit.» Ihre ersten Songs schrieb Yasmine auf Englisch. Mit ihrem Schulkameraden Zeid Hamdan gründete sie die Band «Soapkills» und entdeckte für sich die arabische Musik. Die alten Aufnahmen der arabischen Pop-Ära der 50er-Jahre hatten es ihr angetan. Unter diesem Einfluss begann sie arabische Lieder zu schreiben.

 

Die ersten Aufnahmen von «Soapkills» schlugen hohe Wellen. Der Mix aus Trip-Hop-Beats, Klangbasteleien und bitterzart schmelzenden Melodien war nicht vergleichbar mit dem, was in den Metropolen London und Paris unter dem Label „arabische Musik“ produziert wurde.

 

Die Weltenbürgerin, die heute mit dem palästinensischen Regisseur Elia Suleiman verheiratet in Paris lebt, verweigert sich der stilistischen Schubladisierung. Es folgte eine Dancefloor-Produktion mit dem Produzenten Mirvais unter dem Bandnamen «Y.A.S.». Auf ihrer ersten Solo-CD von 2013 «Ya Nass» schlägt sie nun ruhigere Töne an: von folkig-akustischen Liedern bis bis zu elektronischen Klängen mit balladesken, schwelgenden Melodien.

 

Web: http://yasminehamdan.com